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Projekt Homeserver im Eigenbau 2: Die Hardware

Nun, nachdem ich mir also überlegt habe, was mein Server können soll, muss ich mir jetzt die Hardware zusammensuchen, auf dem das System installiert werden soll. Hierbei gibt es einiges zu beachten:

  • Er soll leise sein. Das bedeutet aber nicht, dass die Lautstärke die oberste Priorität hat. Also so leise wie nötig, aber auch lauter, wenn es nicht anders geht.
  • Er soll stromsparend sein. Natürlich, denn der Server wird 24 Stunden, 7 Tage die Woche laufen. Also müssen Komponenten ausgewählt werden, die möglichst sparsam arbeiten. Aber auch hier: Wenn die Leistung nötig ist, dann muss man halt auch mit einem gewissen Stromverbrauch leben.
  • Er soll lange halten. Klar, denn ich will ja nicht alle Nase lang neu bauen. Also muss ich zum Beispiel dafür sorgen, dass er gut belüftet werden kann. Denn was Rechner und Bauteile gar nicht mögen ist Hitze!
  • Er soll zwar klein sein, aber möglichst effektiv ausgenutzt werden können und erweiterbar sein. Fast schon zu viel verlangt, aber mit dem richtigen Gehäuse ist auch das durchaus machbar.
  • Er soll bezahlbar bleiben. Ja, sogar das ist machbar.

Ich werde im Folgenden also die ausgewählte Hardware beschreiben, dessen Preis angeben und warum ich mich gerade für dieses Bauteil entschieden habe. Allerdings könnte, und da muss sich jeder so seine eigenen Gedanken machen, mein Bauvorschlag einer sein, der zu euren Ansprüchen weniger passt. Ich hoffe aber, dass ihr von dem Prozess, die richtige Hardware zu finden, genug Informationen mitnehmen könnt, um euch selbst Gedanken für eure Anforderungen machen zu können. Auch würde ich mich darüber freuen, wenn ihr hier in den Kommentaren oder in der Mailingliste zu diesem Thema diskutiert oder eigene Vorschläge einbringt.

Also, dies ist dann der Server, den ich zusammengebaut habe:

Gehäuse Zalman Z11 Plus

Preis: 59,03 €

Hierbei handelt es sich um ein Midi-Tower-Gehäuse mit genügend 3,5″ und 5,25″ Einschüben. Den Spezifikationen nach ist das ein Gaming-Gehäuse. Warum ich mich dafür entschieden habe? Nun, weil ich faul bin. 🙂 Gaming-Gehäuse sind darauf optimiert, dass eine weißglühende Grafikkarte und ein übertakteter Prozessor darin laufen können, ohne dass sie den Hitzetot sterben. Kurz gesagt, diese Dinger haben schon eine ausgeklügelte Belüftung. So sind Lüfter für Festplattenschächte, Gehäuse Rück- und Oberseite schon installiert. Ich brauche also nicht noch extra Lüfter kaufen. Allerdings werde ich nur den hinteren 120 mm Lüfter und den vorderen anschließen. Das müsste für die Kühlung ausreichen. Wenn ich feststelle, dass es das nicht tut, kann ich die zusätzlichen Lüfter ja immer noch anschließen. Das Netzteil wird unten eingebaut, so dass es nicht noch unnötig die warme Abluft des Mainboards ansaugt und die Festplatten sind hier ebenfalls vibrationsgedämpft einbaubar. Zwar sollte die Lüftung nicht gerade geräuschlos sein, aber so schlimm ist das auch nicht. Zumal man die Lüfter über die Steuerung am Board noch langsamer laufen lassen kann.

Netzteil Be quiet! BN141 System Power 7 – 350 Watt

Preis: 39,89 €

Dieses Netzteil habe ich auch schon in einem Windows-PC eines Bekannten verbaut. Seinen kleineren Bruder, das 300 Watt Modell, habe ich in meinen Mediacenter-PC gebaut. Dieses hier habe ich für den Server vorgesehen, da es 2 getrennte 12V-Schinen hat. Das kommt zum Tragen, weil ich viele Platten in das System einbauen will. Es ist sehr effizient, also es verbrennt nicht nutzlos Strom. Dazu kommt, dass es extrem leise ist. Selbst der 120 mm Lüfter an der Unterseite macht so gut wie keine Geräusche und das Netzteil selbst wird so gut wie nicht warm.

Diverse Y-Kabel

Preis: 5,69 €

Zwar hat das Netzteil genug Leistung, aber viel zu wenig Stecker. Ich könnte niemals 8 Platten oder dergleichen daran anschließen. Also musste ich noch paar Y-Kabel kaufen, um die SATA-Stromanschlüsse und die 4-Pin-Molex-Anschlüsse zu vervielfachen. Paar habe ich hier schon zu hause, paar waren noch nötig. Da die Dinger zwischen 2 und 4 Euros je Stück kosten, ist das kaum der Rede wert.

Lian-Li EX-36B1 Festplattenkäfig

Preis: 30,79 €

Wie ich schon sagte, was ich am dringendsten brauche sind Festplatten! Das Gehäuse hat 4 ungenutzte 5,25″ Schächte. In 3 davon kommt dieser Festplattenkäfig rein. So kann ich 4 3,5″ Platten und 2 2,5″ Platten einbauen. Die SSD z. B. könnte man gut hier unterbringen, dann belegt die keinen wertvollen 3,5″ Platz im Gehäuse.

An diesem Käfig ist auch gleich ein 120 mm Lüfter angebracht, so dass die 4 Festplatten auch gut belüftet werden können. Außerdem ist davor ein waschbarer Staubfilter, so dass das Gehäuse nicht zum Staubparadies verkommt und später mal Probleme verursacht. Die Platten sind vibrationsgedämpft in den Käfig eingesetzt. Der Rahmen selbst wird noch mal mit Gummipuffern vom Gehäuse entkoppelt und überträgt seine eigenen Vibrationen nicht auf dieses. Das sollte den Geräuschpegel auf einem erträglichen Niveau halten.

Der einzige wirkliche Nachteil ist, dass man den ganzen Rahmen aus dem Gehäuse ausbauen muss, wenn man eine Festplatte hinzufügen oder ausbauen möchte. Anschließend müssen die Festplatten wieder korrekt angeschlossen werden, damit es keine Probleme mit dem RAID gibt.

SATA-Datenkabel

Preis: Gar nix 🙂

In den letzten 5 oder 6 Jahren ist bei jedem Kauf eines Boards ein Satz SATA-Kabel dabei gewesen. Längst nicht alle wurden auch gebraucht. Daher habe ich jetzt genug übrig, um 8 Platten anschließen zu können, und mit dem neuen Board sind ja wieder 2 dazu gekommen. Aber selbst wenn ihr keine haben solltet, die Dinger gibt es für knapp 1,70 € bis 3,50 € je Stück, oder auch Sätze mit 2 oder 4 Kabeln für um die 5 €.

SSD Sandisk SDSSDHP-064G-G25 64 GB

Preis: 44,12 €

Hierauf wird das System installiert. Außer dem Home-Verzeichnis des Benutzers kommt hier nichts drauf. Die SSD habe ich nicht ausgewählt, weil sie super schnell ist. Darum ging es mir hierbei gar nicht. Aber sie ist lautlos, wird nicht warm und verbraucht fast keinen Strom. Dadurch ist sie als Systemplatte sehr pflegeleicht.

Prozessor Intel Core I5 4590 mit 3,3 GHz

Preis: 177,36 €

Die Haswell-Prozessoren verbrauchen im Leerlauf fast gar nichts. Daher ist es fast egal, welchen Haswell ich nehme. Ich muss mich nur für eine Maximalleistung entscheiden. Ich habe mich für 3,3 GHz entschieden, weil das Preis-Leistungsverhälltnis für mich zum Zeitpunkt des Kaufs am besten passte. Der Unterschied zum 3,2 GHz Prozessor waren nur wenige Cent, der hätte 176,79 € gekostet. Außerdem ließe sich dieser noch leicht kühlen, selbst wenn er mit Vollast betrieben wird. Aber das wird eher weniger passieren, die meiste Zeit wird der Server Däumchen drehend darauf warten, dass ich was von ihm will. 🙂 Allerdings kann ich jetzt noch nicht absehen, welche aufgaben der Server noch aufgedrückt bekommt, daher wollte ich nicht zu klein kaufen.

Arbeitsspeicher Kingston HyperX PC3-12800 8GB

Preis: 81,85 €

Wahrscheinlich hätten 4GB auch gereicht, aber man bekommt ja fast nur noch 8GB-Kits. Und auch hier, wer weiß, wohin meine Anforderungen noch gehen.

Mainboard Asrock H87 Pro4

Preis: 73,90 €

Dieses Board passt zu Prozessor und Speicher. Ich habe mich für ein ATX-Board entschieden, anstatt eines kleineren Boards, weil dieses schon 6 SATA-Anschlüsse hat. Außerdem kann ich mit einer Erweiterungskarte weitere SATA-Ports nachrüsten. Wie ich schon sagte, ich brauche viele Platten…

Erweiterungskarte Assmann DS-30104-1 Digitus PCI-Express Karte für 4 weitere SATA-Ports

Preis: 47,22 €

Diese Karte ist nötig, um weitere 4 Festplatten anschließen zu können. Ein SATA-Anschluss am Board ist mit der SSD belegt, somit kann ich mit dieser Karte insgesamt noch 9 Festplatten ins Gehäuse einbauen. So viele werden es wohl nicht werden, aber es könnte sein. Besser, ich bin vorbereitet… Und gleich noch 2 SATA-Kabel, davon kann ich gar nicht genug haben… 🙂

Wichtig ist noch, dass diese Karte eine PCIE X4-Karte ist. Sie passt in die Steckplätze für PCIE X1 Karten nicht rein. Falls das Board keinen regelrechten PCIE X4 Steckplatz hat, muss man den PCIE X16 Steckplatz nutzen, der eigentlich für Grafikkarten gedacht ist. Da wir aber die OnBoard-Grafik nutzen, macht das nix, wenn wir den Platz mit dieser Karte belegen.

Grafikkarte?

Nein, die braucht’s nicht. Der Grafikkern ist, wenn ich das richtig gelesen habe, bei den neueren Prozessoren schon auf dem Chip. Und das Board hat DVI- und HDMI-Ausgänge, so dass ich einen Monitor anschließen kann. Zwar dürfte die Grafikkarte nicht unbedingt spieletauglich sein, aber das muss sie ja auch nicht. Reicht völlig, wenn sie eine Textkonsole oder minimale Grafik darstellen kann, und das kann sie allemal. Sie kann noch mehr, aber mehr ist für den Server nicht nötig.

Fazit

Es ist nicht der billigste Rechner geworden. Mit einem Preis von insgesamt 559,85 € für die Hardware ist es aber noch erträglich. Aber da sind jetzt noch keine Festplatten für das RAID enthalten, das ist jetzt nur der nackte Server selbst.

Wie ihr bemerkt haben dürftet, gibt es hier auch kein DVD-Laufwerk. Wozu auch? Es würde sowieso, wenn alles gut geht, nur ein mal gebraucht. Ich habe ein externes Laufwerk, falls mal eines nötig sein sollte. Da kann man sich die Ausgabe sparen. Und das Linux-System werde ich von einem USB-Stick installieren, weswegen nicht mal dafür ein Laufwerk nötig ist.

Im nächsten Teil werde ich also auf dem Server das Linux installieren und einige Grundkonfigurationen vornehmen. Zwar werde ich auch hier nicht bei Adam und Eva anfangen, aber ich werde versuchen, so viele Infos wie möglich zu geben, so dass ihr wisst, was da genau vor sich geht. Für Diejenigen also, die mit Linux vertraut sind, dürfte der nächste Teil also eher langweilig sein. Dennoch würde ich mich freuen, falls auch die mitlesen, denn falls ich was übersehen habe oder etwas auf einem anderen Wege einfacher zu erreichen ist, würde ich mich über diese Info sehr freuen.

Kleiner Nachtrag

Diesen Artikel habe ich immer dann ergänzt und bearbeitet, wenn ich ein Bauteil bestellt oder erhalten hatte. Das Gesamtkunstwerk steht erst jetzt vor mir. Und ich muss sagen, es gefällt mir.

Die im Gehäuse integrierten Lüfter sind in der Tat leise. Auch die blaue LED-Beleuchtung des vorderen Lüfters trägt nicht zu dick auf. Obwohl, wenn es nervt, kann ich den Lüfter immer noch austauschen. Der Lüfter des Lian-Li-Festplattenkäfigs hingegen ist nicht sehr leise. Man kann es aber ertragen, zumal der Server ja irgendwohin kommt, wo er nicht nervt, also nicht genau im Wohnzimmer neben meine Ohren… 🙂

Die SSD wird übrigens bei diesem Gehäuse hinter das Board gebaut. Zugegeben, das habe ich bisher auch noch nie gesehen, gefällt mir aber. Die SSD ist ja nun nicht gerade ein Bauteil, das schnell warm wird, und die Luft zirkuliert auch hinter dem Board noch genug. So bleiben alle anderen Schächte frei für platten.

Für alles gibt es Normen. Kurz gesagt, es gibt keinen Stecker, den man falsch anschließen kann. Die Stromanschlüsse haben Aussparungen oder abgewinkelte Ecken an einer Seite, der USB-3-Header auf dem Board hat einen Stecker mit einer kleinen Plastiknase, auch die Stecker des USB-2-Headers passen nicht falsch rum drauf, es fehlt ein Pin, und da wo der Pin fehlt, gibt es kein Loch im Stecker. Das einzige, wo sich irgendwie gar keiner Gedanken gemacht hat, sind die Anschlüsse des Gehäuses. Power-Knopf und -LED, HDD-LED, Reset-Knopf, alles kleine Steckerchen die sehr klein und sehr schmal sind. Am Board hat man dann einfach einen Block von Pins, auf die diese Steckerchen aufgesteckt werden müssen. Ehrlich, wer sich da mal einen Standardstecker ausdenkt, würde echt einen Entwicklerpreis verdienen. Das ist nämlich der Teil, der beim PC-Bauen bei mir am längsten dauert. Aber egal, auch das ist geschafft. Nun kann es mit der nächsten Stufe weitergehen.

Musik mit PC und Mac

Ich weiß ja nicht, wie viele unter euch Musik machen, und wie viele davon den PC dazu verwenden. Für die unter euch, die schon länger mit dem Rechner Musik machen, dürfte der Artikel eher langweilig sein. Aber vielleicht hat der eine oder andere von euch ja Tipps, daher würde ich mich freuen, wenn ihr weiterlest. Ich mache gelegentlich Musik, und dafür habe ich früher fast ausschließlich den PC genutzt. Länger habe ich jetzt nichts mehr gemacht, aber so langsam überlege ich, wieder damit anzufangen. Und wenn wir schon mal dabei sind, dann natürlich auch gleich mit dem Mac.

Musik mit dem Rechner zu machen, oder den Rechner als Unterstützung dafür zu nehmen, bedeutet natürlich, dass man sich mit der einen oder anderen Sache tiefergehend beschäftigen muss. Ich habe diesbezüglich ja schon so meine Erfahrungen gemacht. Damit also klar wird, woher ich komme und wo hin ich will, werde ich etwas ausführlicher darauf eingehen.

Wo komme ich her?

Alles begann, als die PCs lernten, mehr als nur tüdeldü zu machen. Oh je, Opa erzählt vom Krieg… 🙂 Ja, mein erster PC hatte keine Soundkarte. Die waren damals, wenn überhaupt vorhanden, purer Luxus. Aber auch diese wurden billiger und auch mein PC bekam eine. 🙂 Und obwohl die Musik darüber noch wirklich künstlich klang, eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten. Anfänglich habe ich nur bei anderen zugeschaut, aber letztlich habe ich auch damit angefangen, Musik zu machen.

Ich hatte unter DOS den Voyetra SPPRO, einen reinen MIDI-Sequencer. Allerdings hatte ich kein Keyboard und eben nur die sehr künstlich klingende Soundblaster. Also, wie damit jetzt Musik machen? Ganz einfach, zu Fuß! Spur anlegen, in den Editor gehen und die Noten alle per Hand setzen! 🙂

Nur, um mal eine Vorstellung davon zu bekommen: Das Editorfenster war recht übersichtlich. Senkrecht die Noten und wagerecht der Takt. Das ging sogar mit Braillezeile, weil die Taktmarkierungen auf der Zeile zu sehen waren, auch die Note war zu sehen. Nun platziert man die Note also senkrecht auf eine Linie, beispielsweise einem C, und auf die erste Viertelmarkierung in der wagerechten. Hier konnte man dann bequem die Velocity, also die Anschlagsstärke, Pitch, also Verschiebung in der Senkrechten, Takt, also Verschiebung in der Wagerechten, Länge und dergleichen editieren. Mit den Pfeiltasten konnte man im Fenster navigieren und mit Tab von Note zu Note springen. Auch MIDI-Events, wie Program, Controler und dergleichen konnte man so setzen. Auf diese Weise konnte es schon mal 6 Wochen dauern, bis man ein Stück von 3 Minuten Länge gesetzt hatte. 🙂 Aber es hat Spaß gemacht!

Und obwohl es mir nicht gelungen ist, einen Nr. 1 Hit zu landen oder einen Evergreen zu komponieren, habe ich eine Unmenge über MIDI und dessen Ansteuerungen gelernt. Das hat mir später viel erleichtert, auch bei der Fehlersuche.

Später wurden die Soundkarten immer besser und die Rechner immer Leistungsfähiger. Am Ende hatte ich eine Soundblaster AWE32 mit einem Yamaha XG50 Daughterboard. Damit ließ sich richtig gut Musik machen, da ich da auch schon ein Masterkeyboard zur Eingabe hatte. Aber ich habe immer noch mit dem Voyetra gearbeitet, damals schon unter Windows 98 und im DOS-Fenster. Aber das alte Teil lief noch! So wurden zwar meine Ergebnisse schneller fertig, aber besser wurden sie dadurch auch nicht… 🙂 Aber machte trotzdem immer noch Spaß! 🙂

Nun sind wir bei Windows 7 und Mac angekommen, und ich habe in der Zwischenzeit bestimmt schon 5 oder 6 Jahre nichts mehr mit Musik gemacht. Der Voyetra läuft längst nicht mehr, sehr zu meinem Missfallen, und die anderen Programme, wie Cakewalk Pro Audio 9.0 oder dergleichen erlauben längst nicht mehr, als Blinder so gut damit zu arbeiten. In einem Editor regelrecht eine Note auf diese alte Art zu setzen, habe ich jedenfalls nicht mehr hinbekommen.

Wo will ich hin?

Ich würde mich jetzt nicht gerade als guten Keyboard-Spieler beschreiben. Hochmotivierter Amateur träfe es da wohl besser. Kurz gesagt, ich war nie ein Live-Spieler, das wollte ich auch nie werden. Ich habe öfter mal Melodien im Kopf, kurze Passagen, kleine Fragmente, die ich dann versuche, mit einem Keyboard abzubilden oder auszubauen. Manchmal klingt das Ergebnis sogar nach was. Aber eben nur manchmal. 🙂

Wenn ich also heute mit dem Rechner, ob nun Mac oder Windows-Rechner, Musik machen wollte, bräuchte ich also einen bedienbaren MIDI-Sequencer. Aber wir sind lange aus der Zeit raus, wo ein Musikprogramm ein reiner MIDI-Sequencer war. Damals konnte man das mit der Qualität der Soundkarten und der Leistungsfähigkeit der Rechner erklären, aber heute ist das alles hinfällig. Die Soundkarten haben, wenn man mehr als 50 Euro ausgibt, durchaus fast Studioqualität, und die Leistungsfähigkeit der heutigen Rechner reicht locker aus. Daher sind es heute keine reinen MIDI-Sequencer mehr, sondern sogenannte DAWs, Digital Audio Workstations. Und das ist wirklich wörtlich zu nehmen. Denn neben den MIDI-Spuren wird hier auch normales Audio, wie Gesang, Gitarre, oder dergleichen mit aufgezeichnet. Vielfältigste Möglichkeiten des Mixings, der Bearbeitung und der Effekte stehen hier zur Verfügung.

Was aber davon ist für uns als Blinde und Sehbehinderte noch machbar? Nun, einiges geht noch. So habe ich Podcasts gehört, wo Blinde mit den Pro Tools für Mac komplexe Musikstücke abmischen und Background Vocals einsingen. Ich weiß auch von einigen, die unter Windows mit Sonar arbeiten, oder gearbeitet haben. So ganz unmöglich ist das also nicht.

Nun brauche ich also zweierlei: Eine DAW, und wenn’s geht, ein brauchbares Keyboard. Es soll ja schließlich nach was klingen, was ich da so in meinem stillen Kämmerlein verbreche. 🙂 Nun, für’s Erste kümmere ich mich mal um die DAW, weil ein Master-Keyboard und ein altes Yamaha DJ-X habe ich hier noch rumstehen. Klingt nicht wirklich toll, aber für ein paar Experimente reicht das völlig. In Zukunft allerdings muss etwas brauchbares her. Was genau, werde ich dann noch sehen. Aber mir haben die Fähigkeiten und der Klang Des Tyros 4 schon ziemlich gefallen. Mal sehen, ob ich wirklich dieses Monster von Keyboard kaufe, oder doch eher ein paar Nummern kleiner… 🙂

Da ich ja immer noch im Prozess bin, mehr und mehr Dinge auf den Mac umzusiedeln, kann ich mit dem Musikkram auch gleich hier anfangen. Zunächst ist es erst mal nötig, die Anschlussmöglichkeiten eines Keyboards zu schaffen. Also, ein MIDI-Interface muss her. Da habe ich mir eines von Logilink gekauft, ein USB to MIDI Adapter. Brauchte keine Treiberinstallation und war sofort einsatzfähig. An dem USB-Kabel ist ein klein bissel Elektronik, welche die Umsetzung macht, und am anderen Ende die 5-poligen Din-Stecker für MIDI-IN und Out. Diese stöpselt man ins Keyboard, und kann loslegen. Nun, noch nicht ganz. Es fehlt noch die Software.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun, da die Hardware erst mal steht, muss ich mich um Software kümmern. Wie gesagt, brauche eine DAW, die sich auch mit VoiceOver gut bedienen lässt. Und hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen gäbe es die Pro Tools von AVID. Aber die kommen für mich erst mal nicht in Betracht. Erstens, weil die $699 kosten, und weil man allein schon für die kostenlose Testversion so einen Dongle braucht und einen Account, um die kostenlose Version zu registrieren. Viel zu umständlich und teuer für einen hochmotivierten Amateur. Ich weiß zwar, dass die Software auch blind gut bedient werden kann, aber so ein teures Risiko gehe ich da lieber nicht ein.

Aber es gibt da noch Reaper, welche gleich für 30 Tage kostenlos ist, und das ganz ohne die Umstände wie bei Pro Tools. Und selbst dann kostet es nur $60, was sich auch als Amateur nicht teuer anhört. Und meine bisherigen Experimente damit sind ganz brauchbar.

Fazit

Ich werde lange Handbuch lesen müssen, bis ich verstanden habe, was mit Reaper überhaupt alles geht, und was nicht. Allein das Inhaltsverzeichnis des Handbuchs ist beeindruckend. Wenn auch nur ein Bruchteil davon mit VoiceOver machbar ist, wäre das echt ein Sprung nach vorn. Zwar ist es mir auf Anhieb gelungen, 3 MIDI-Tracks aufzunehmen und ein paar Bearbeitungsschritte darauf zu machen, aber ein regelrechter Editor, wie ich ihn von Voyetra her kenne, ist wohl nicht für uns bedienbar. Natürlich gibt es einen MIDI-Editor, aber in diesem ist es mir noch nicht gelungen, Noten direkt anzuwählen oder deren Eigenschaften zu verändern. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich also sagen, viele kurze Tracks mit jeweils kurzen Takes aufnehmen, so dass man immer nur kleine Teile neu einspielen muss, wenn mal was nicht geklappt hat. Die Oberfläche von Reaper ist zwar in Englisch, jedoch sind die Buttons, Regler und andere Elemente recht gut beschriftet. Also allein von der Oberfläche her ist es mit VoiceOver sehr gut bedienbar. Und auch bezüglich der Tastatur geht viel, vieles hat Hotkeys, einiges kann sogar selbst definiert werden, wenn ich das richtig gesehen habe.

Kurz gesagt, im Bezug auf MIDI- und Audio-Recording muss ich quasi wirklich von 0 anfangen. Daher könnte ich im Bezug auf Reaper nicht mal sagen, was jetzt mit VoiceOver alles wirklich geht, und was nicht. Das wird sich nach und nach zeigen. Jedenfalls finde ich nicht, dass die $60 hier falsch investiert wären. Sollte mir dieses Programm irgendwann mal nicht mehr reichen, kann ich ja immer noch über die Pro Tools nachdenken, oder gucken, was es noch so für Programme für den Mac gibt.

Sollte also Interesse bestehen, und sollte ich weitere interessante Dinge über Musik-Recording herausfinden, werde ich hier im Blog weiter berichten. Und vielleicht, wenn ich den Kram mal etwas im Griff habe, wird ja auch mal ein Podcast draus. 🙂