Projekt Homeserver im Eigenbau 2: Die Hardware

Nun, nachdem ich mir also überlegt habe, was mein Server können soll, muss ich mir jetzt die Hardware zusammensuchen, auf dem das System installiert werden soll. Hierbei gibt es einiges zu beachten:

  • Er soll leise sein. Das bedeutet aber nicht, dass die Lautstärke die oberste Priorität hat. Also so leise wie nötig, aber auch lauter, wenn es nicht anders geht.
  • Er soll stromsparend sein. Natürlich, denn der Server wird 24 Stunden, 7 Tage die Woche laufen. Also müssen Komponenten ausgewählt werden, die möglichst sparsam arbeiten. Aber auch hier: Wenn die Leistung nötig ist, dann muss man halt auch mit einem gewissen Stromverbrauch leben.
  • Er soll lange halten. Klar, denn ich will ja nicht alle Nase lang neu bauen. Also muss ich zum Beispiel dafür sorgen, dass er gut belüftet werden kann. Denn was Rechner und Bauteile gar nicht mögen ist Hitze!
  • Er soll zwar klein sein, aber möglichst effektiv ausgenutzt werden können und erweiterbar sein. Fast schon zu viel verlangt, aber mit dem richtigen Gehäuse ist auch das durchaus machbar.
  • Er soll bezahlbar bleiben. Ja, sogar das ist machbar.

Ich werde im Folgenden also die ausgewählte Hardware beschreiben, dessen Preis angeben und warum ich mich gerade für dieses Bauteil entschieden habe. Allerdings könnte, und da muss sich jeder so seine eigenen Gedanken machen, mein Bauvorschlag einer sein, der zu euren Ansprüchen weniger passt. Ich hoffe aber, dass ihr von dem Prozess, die richtige Hardware zu finden, genug Informationen mitnehmen könnt, um euch selbst Gedanken für eure Anforderungen machen zu können. Auch würde ich mich darüber freuen, wenn ihr hier in den Kommentaren oder in der Mailingliste zu diesem Thema diskutiert oder eigene Vorschläge einbringt.

Also, dies ist dann der Server, den ich zusammengebaut habe:

Gehäuse Zalman Z11 Plus

Preis: 59,03 €

Hierbei handelt es sich um ein Midi-Tower-Gehäuse mit genügend 3,5″ und 5,25″ Einschüben. Den Spezifikationen nach ist das ein Gaming-Gehäuse. Warum ich mich dafür entschieden habe? Nun, weil ich faul bin. 🙂 Gaming-Gehäuse sind darauf optimiert, dass eine weißglühende Grafikkarte und ein übertakteter Prozessor darin laufen können, ohne dass sie den Hitzetot sterben. Kurz gesagt, diese Dinger haben schon eine ausgeklügelte Belüftung. So sind Lüfter für Festplattenschächte, Gehäuse Rück- und Oberseite schon installiert. Ich brauche also nicht noch extra Lüfter kaufen. Allerdings werde ich nur den hinteren 120 mm Lüfter und den vorderen anschließen. Das müsste für die Kühlung ausreichen. Wenn ich feststelle, dass es das nicht tut, kann ich die zusätzlichen Lüfter ja immer noch anschließen. Das Netzteil wird unten eingebaut, so dass es nicht noch unnötig die warme Abluft des Mainboards ansaugt und die Festplatten sind hier ebenfalls vibrationsgedämpft einbaubar. Zwar sollte die Lüftung nicht gerade geräuschlos sein, aber so schlimm ist das auch nicht. Zumal man die Lüfter über die Steuerung am Board noch langsamer laufen lassen kann.

Netzteil Be quiet! BN141 System Power 7 – 350 Watt

Preis: 39,89 €

Dieses Netzteil habe ich auch schon in einem Windows-PC eines Bekannten verbaut. Seinen kleineren Bruder, das 300 Watt Modell, habe ich in meinen Mediacenter-PC gebaut. Dieses hier habe ich für den Server vorgesehen, da es 2 getrennte 12V-Schinen hat. Das kommt zum Tragen, weil ich viele Platten in das System einbauen will. Es ist sehr effizient, also es verbrennt nicht nutzlos Strom. Dazu kommt, dass es extrem leise ist. Selbst der 120 mm Lüfter an der Unterseite macht so gut wie keine Geräusche und das Netzteil selbst wird so gut wie nicht warm.

Diverse Y-Kabel

Preis: 5,69 €

Zwar hat das Netzteil genug Leistung, aber viel zu wenig Stecker. Ich könnte niemals 8 Platten oder dergleichen daran anschließen. Also musste ich noch paar Y-Kabel kaufen, um die SATA-Stromanschlüsse und die 4-Pin-Molex-Anschlüsse zu vervielfachen. Paar habe ich hier schon zu hause, paar waren noch nötig. Da die Dinger zwischen 2 und 4 Euros je Stück kosten, ist das kaum der Rede wert.

Lian-Li EX-36B1 Festplattenkäfig

Preis: 30,79 €

Wie ich schon sagte, was ich am dringendsten brauche sind Festplatten! Das Gehäuse hat 4 ungenutzte 5,25″ Schächte. In 3 davon kommt dieser Festplattenkäfig rein. So kann ich 4 3,5″ Platten und 2 2,5″ Platten einbauen. Die SSD z. B. könnte man gut hier unterbringen, dann belegt die keinen wertvollen 3,5″ Platz im Gehäuse.

An diesem Käfig ist auch gleich ein 120 mm Lüfter angebracht, so dass die 4 Festplatten auch gut belüftet werden können. Außerdem ist davor ein waschbarer Staubfilter, so dass das Gehäuse nicht zum Staubparadies verkommt und später mal Probleme verursacht. Die Platten sind vibrationsgedämpft in den Käfig eingesetzt. Der Rahmen selbst wird noch mal mit Gummipuffern vom Gehäuse entkoppelt und überträgt seine eigenen Vibrationen nicht auf dieses. Das sollte den Geräuschpegel auf einem erträglichen Niveau halten.

Der einzige wirkliche Nachteil ist, dass man den ganzen Rahmen aus dem Gehäuse ausbauen muss, wenn man eine Festplatte hinzufügen oder ausbauen möchte. Anschließend müssen die Festplatten wieder korrekt angeschlossen werden, damit es keine Probleme mit dem RAID gibt.

SATA-Datenkabel

Preis: Gar nix 🙂

In den letzten 5 oder 6 Jahren ist bei jedem Kauf eines Boards ein Satz SATA-Kabel dabei gewesen. Längst nicht alle wurden auch gebraucht. Daher habe ich jetzt genug übrig, um 8 Platten anschließen zu können, und mit dem neuen Board sind ja wieder 2 dazu gekommen. Aber selbst wenn ihr keine haben solltet, die Dinger gibt es für knapp 1,70 € bis 3,50 € je Stück, oder auch Sätze mit 2 oder 4 Kabeln für um die 5 €.

SSD Sandisk SDSSDHP-064G-G25 64 GB

Preis: 44,12 €

Hierauf wird das System installiert. Außer dem Home-Verzeichnis des Benutzers kommt hier nichts drauf. Die SSD habe ich nicht ausgewählt, weil sie super schnell ist. Darum ging es mir hierbei gar nicht. Aber sie ist lautlos, wird nicht warm und verbraucht fast keinen Strom. Dadurch ist sie als Systemplatte sehr pflegeleicht.

Prozessor Intel Core I5 4590 mit 3,3 GHz

Preis: 177,36 €

Die Haswell-Prozessoren verbrauchen im Leerlauf fast gar nichts. Daher ist es fast egal, welchen Haswell ich nehme. Ich muss mich nur für eine Maximalleistung entscheiden. Ich habe mich für 3,3 GHz entschieden, weil das Preis-Leistungsverhälltnis für mich zum Zeitpunkt des Kaufs am besten passte. Der Unterschied zum 3,2 GHz Prozessor waren nur wenige Cent, der hätte 176,79 € gekostet. Außerdem ließe sich dieser noch leicht kühlen, selbst wenn er mit Vollast betrieben wird. Aber das wird eher weniger passieren, die meiste Zeit wird der Server Däumchen drehend darauf warten, dass ich was von ihm will. 🙂 Allerdings kann ich jetzt noch nicht absehen, welche aufgaben der Server noch aufgedrückt bekommt, daher wollte ich nicht zu klein kaufen.

Arbeitsspeicher Kingston HyperX PC3-12800 8GB

Preis: 81,85 €

Wahrscheinlich hätten 4GB auch gereicht, aber man bekommt ja fast nur noch 8GB-Kits. Und auch hier, wer weiß, wohin meine Anforderungen noch gehen.

Mainboard Asrock H87 Pro4

Preis: 73,90 €

Dieses Board passt zu Prozessor und Speicher. Ich habe mich für ein ATX-Board entschieden, anstatt eines kleineren Boards, weil dieses schon 6 SATA-Anschlüsse hat. Außerdem kann ich mit einer Erweiterungskarte weitere SATA-Ports nachrüsten. Wie ich schon sagte, ich brauche viele Platten…

Erweiterungskarte Assmann DS-30104-1 Digitus PCI-Express Karte für 4 weitere SATA-Ports

Preis: 47,22 €

Diese Karte ist nötig, um weitere 4 Festplatten anschließen zu können. Ein SATA-Anschluss am Board ist mit der SSD belegt, somit kann ich mit dieser Karte insgesamt noch 9 Festplatten ins Gehäuse einbauen. So viele werden es wohl nicht werden, aber es könnte sein. Besser, ich bin vorbereitet… Und gleich noch 2 SATA-Kabel, davon kann ich gar nicht genug haben… 🙂

Wichtig ist noch, dass diese Karte eine PCIE X4-Karte ist. Sie passt in die Steckplätze für PCIE X1 Karten nicht rein. Falls das Board keinen regelrechten PCIE X4 Steckplatz hat, muss man den PCIE X16 Steckplatz nutzen, der eigentlich für Grafikkarten gedacht ist. Da wir aber die OnBoard-Grafik nutzen, macht das nix, wenn wir den Platz mit dieser Karte belegen.

Grafikkarte?

Nein, die braucht’s nicht. Der Grafikkern ist, wenn ich das richtig gelesen habe, bei den neueren Prozessoren schon auf dem Chip. Und das Board hat DVI- und HDMI-Ausgänge, so dass ich einen Monitor anschließen kann. Zwar dürfte die Grafikkarte nicht unbedingt spieletauglich sein, aber das muss sie ja auch nicht. Reicht völlig, wenn sie eine Textkonsole oder minimale Grafik darstellen kann, und das kann sie allemal. Sie kann noch mehr, aber mehr ist für den Server nicht nötig.

Fazit

Es ist nicht der billigste Rechner geworden. Mit einem Preis von insgesamt 559,85 € für die Hardware ist es aber noch erträglich. Aber da sind jetzt noch keine Festplatten für das RAID enthalten, das ist jetzt nur der nackte Server selbst.

Wie ihr bemerkt haben dürftet, gibt es hier auch kein DVD-Laufwerk. Wozu auch? Es würde sowieso, wenn alles gut geht, nur ein mal gebraucht. Ich habe ein externes Laufwerk, falls mal eines nötig sein sollte. Da kann man sich die Ausgabe sparen. Und das Linux-System werde ich von einem USB-Stick installieren, weswegen nicht mal dafür ein Laufwerk nötig ist.

Im nächsten Teil werde ich also auf dem Server das Linux installieren und einige Grundkonfigurationen vornehmen. Zwar werde ich auch hier nicht bei Adam und Eva anfangen, aber ich werde versuchen, so viele Infos wie möglich zu geben, so dass ihr wisst, was da genau vor sich geht. Für Diejenigen also, die mit Linux vertraut sind, dürfte der nächste Teil also eher langweilig sein. Dennoch würde ich mich freuen, falls auch die mitlesen, denn falls ich was übersehen habe oder etwas auf einem anderen Wege einfacher zu erreichen ist, würde ich mich über diese Info sehr freuen.

Kleiner Nachtrag

Diesen Artikel habe ich immer dann ergänzt und bearbeitet, wenn ich ein Bauteil bestellt oder erhalten hatte. Das Gesamtkunstwerk steht erst jetzt vor mir. Und ich muss sagen, es gefällt mir.

Die im Gehäuse integrierten Lüfter sind in der Tat leise. Auch die blaue LED-Beleuchtung des vorderen Lüfters trägt nicht zu dick auf. Obwohl, wenn es nervt, kann ich den Lüfter immer noch austauschen. Der Lüfter des Lian-Li-Festplattenkäfigs hingegen ist nicht sehr leise. Man kann es aber ertragen, zumal der Server ja irgendwohin kommt, wo er nicht nervt, also nicht genau im Wohnzimmer neben meine Ohren… 🙂

Die SSD wird übrigens bei diesem Gehäuse hinter das Board gebaut. Zugegeben, das habe ich bisher auch noch nie gesehen, gefällt mir aber. Die SSD ist ja nun nicht gerade ein Bauteil, das schnell warm wird, und die Luft zirkuliert auch hinter dem Board noch genug. So bleiben alle anderen Schächte frei für platten.

Für alles gibt es Normen. Kurz gesagt, es gibt keinen Stecker, den man falsch anschließen kann. Die Stromanschlüsse haben Aussparungen oder abgewinkelte Ecken an einer Seite, der USB-3-Header auf dem Board hat einen Stecker mit einer kleinen Plastiknase, auch die Stecker des USB-2-Headers passen nicht falsch rum drauf, es fehlt ein Pin, und da wo der Pin fehlt, gibt es kein Loch im Stecker. Das einzige, wo sich irgendwie gar keiner Gedanken gemacht hat, sind die Anschlüsse des Gehäuses. Power-Knopf und -LED, HDD-LED, Reset-Knopf, alles kleine Steckerchen die sehr klein und sehr schmal sind. Am Board hat man dann einfach einen Block von Pins, auf die diese Steckerchen aufgesteckt werden müssen. Ehrlich, wer sich da mal einen Standardstecker ausdenkt, würde echt einen Entwicklerpreis verdienen. Das ist nämlich der Teil, der beim PC-Bauen bei mir am längsten dauert. Aber egal, auch das ist geschafft. Nun kann es mit der nächsten Stufe weitergehen.

2 Gedanken zu „Projekt Homeserver im Eigenbau 2: Die Hardware“

  1. Genau, die Haswell-Prozessoren haben einen integrierten Grafikchip. Diese Grafik ist leistungsfähiger, als so manchder separat verbauter Onboard-Grafikchip. Eine Grafikkarte oder eine Onboardgrafik ist damit überflüssig. Habe selbst kürzlich so einen Haswell-Prozessor verbaut in einen Rechner und die Person ist begeistert von der Bildschirmdarstellung.

    1. Manche nutzen die sogar für Mediacenter, also muss der Grafikchip ja in der Lage sein, einiges an Hardwarebeschleunigung zu leisten.

      Jedenfalls ist die Kiste zusammengebaut und das BIOS auch schon konfiguriert. Also da gab es keine Probleme mit der integrierten Grafik.

      Aber da das Ding eh als Server arbeiten wird, ist die Grafikleistung eher nebensächlich.

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