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Kann ich auf mein MacBook verzichten?

Für einen Tag habe ich mal komplett auf mein MacBook verzichtet. Ich wollte sehen, ob ich die Dinge, für die mein Mac mittlerweile selbstverständlich geworden ist, auch mit anderen Mitteln durchführen kann.

Der Grund für dieses Experiment ist schnell erklärt. Mein MacBook ist ein MacBook Pro von Ende 2011 und wurde von mir im Februar 2012 gekauft. Da das Gerät also schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, und der Akku so langsam anfängt, Schwächen zu zeigen, kam die Überlegung auf, evtl. ein neues Gerät zu kaufen. Hierbei habe ich aber noch einige Optionen:

  • Ich könnte in einem Apple Store einfach den Akku tauschen lassen. Das MacBook selbst ist ja in Ordnung und könnte so noch einige Zeit laufen.
  • Ich könnte ein aktuelles MacBook kaufen, welches Modell, muss sich dann ergeben.
  • Ich nehme ein Windows-Notebook.

Die Entscheidung hat noch Zeit, und getroffen habe ich sie auch noch nicht. Also wurde es mal Zeit zu überprüfen, ob der Mac noch immer lohnenswert für mich ist. Und das Ergebnis war für mich selbst überraschend, obwohl ich damit hätte rechnen können… 🙂

Ich habe hier einen großen Windows-Tower, der auch noch rege genutzt wird. Das liegt einfach daran, dass er einen wesentlich stärkeren Prozessor hat. Für TV-Sendungen, die ich aufgezeichnet habe und behalten möchte, benötige ich diesen. Der PC wandelt dann die doch recht großen TS-Dateien in handlichere MKV-Dateien um. Genau so verfahre ich auch mit diversen Camcorder-Aufnahmen, die ich selbst mache oder von der Familie bekomme. Dies würde auf dem MacBook zu lange dauern und diesen unnötig ewig blockieren.

Also habe ich meine Vorgehensweise mit diversen Arbeiten mit Mac OS X 10.11.4 und Windows 7 X64 verglichen. Windows 8 oder höher habe ich nicht, daher kann ich nicht sagen, wie es damit gelaufen wäre.

Twitter

Auf dem Mac nutze ich Yorufukurou als Twitter-Client. Der offizielle Client von Twitter soll aber auch immer zugänglicher werden. Mal sehen, vielleicht probiere ich den später mal aus.

Mit VoiceOver ist Yorufukurou, oder auch Night Owl, sehr gut bedienbar. Er unterstützt mehrere Accounts, man kann leicht zwischen den Ansichten wechseln und die Tweets lesen.

Für das Experiment habe ich Twitterific auf dem iPhone genutzt. Am Windows-Rechner habe ich zur Zeit keinen Client, obwohl es dazu auch bedienbare Clients geben soll. Aber so einen habe ich nicht, und die Webseite wollte ich nicht nutzen.

Twitterific ist an sich gut nutzbar. Aber was mich halt stört ist das Schreiben auf der virtuellen Tastatur. Das dauert mir, ehrlich gesagt, zu lang. Mit einer externen Bluetooth-Tastatur sähe das wohl anders aus, aber so macht es nur wenig Spaß! Vielleicht besorge ich mir ja bald mal eine.

RSS-Feeds

Um einen Überblick über die Nachrichtenlage und der Blogs zu haben, nutze ich seit einer Ewigkeit RSS. Am Mac nutze ich hierfür den Vienna-RSS Reader. Dieser ist mit VoiceOver hervorragend bedienbar und ist ähnlich aufgebaut wie viele Mailprogramme. Was ich besonders gerne nutze sind virtuelle Ordner. Hier fasse ich Gruppen von Ordnern zusammen. Zum Beispiel habe ich so alle Blogs und RSS-Feeds zusammengefasst, die ihre vollständigen Artikel im Feed posten. So kann ich diese alle markieren und, ähnlich einer Zeitung, vorlesen lassen.

Am PC nutze ich für RSS-Feeds Thunderbird. Auch dieser ist mit diversen Screen Readern bedienbar. Auch dieser macht keine Probleme. Allerdings fand ich während meines Experiments, dass Vienna doch etwas komfortabler zu bedienen war. Will ich z. B. den vollständigen Artikel in einem Browser öffnen, muss ich umständlich mit dem Jaws-Cursor den Original-Link suchen und einen Klick ausführen. Das ist umständlich und zeitraubend. Bei Vienna brauche ich auf dem entsprechenden Artikel nur auf Enter hauen. 🙂

Mail

Das vorinstallierte Mailprogramm in OS X ist bedienbar. Allerdings hat es, meiner Ansicht nach, einige Probleme. So sehe ich z. B. nicht, welche Ordner zu welchen IMAP-Accounts gehören, es verhält sich beim Weiterleiten und Antworten etwas umständlich und ich finde generell, dass das Handling des Programms schwerfällig ist. Gut, es funktioniert und ist bedienbar. Aber komfortabel geht anders. Ich weiß von kostenpflichtigen Programmen, die hier wohl einen besseren Job machen, aber das habe ich noch nicht probiert. Vielleicht lade ich mir mal eine Demoversion. Allerdings scheue ich mich davor, all meine Accounts erneut einrichten zu müssen.

Am PC nutze ich Thunderbird für Mail. Hier muss ich sagen, läuft es, wie ich es von einem Mailprogramm erwarte. Die Ordnerstruktur ist klar, alle Felder sind erreichbar und das ganze Handling entspricht dem, was ich seit nunmehr Jahrzehnten gewohnt bin. Leider ist Thunderbird auf dem Mac nicht mit VoiceOver bedienbar, sonst würde ich es auch dort nutzen.

Office

Nun, es gibt sie, die Office-Apps für den Mac. Pages, Numbers und Keynote. Ich finde das Arbeiten damit aber sehr umständlich. Mich stört zum einen, dass sie immer standardmäßig in ihrem eigenen proprietären Format speichern wollen und das nicht anders konfigurierbar ist, und das Exportieren in andere Formate ist denkbar umständlich. Man mag in Pages vielleicht einen einfachen Geschäftsbrief hinbekommen, aber wenn es mal komplexer werden soll, komme ich mit VoiceOver nicht wirklich weit. Es geht, irgendwie, aber sehr umständlich.

Unter Windows nutze ich Microsoft Office. Klar, teuer, aber was soll ich sagen, es funzt einfach! Geschäftsbriefe, Dokumente mit Inhaltsverzeichnis und Index, und auch recht komplexe Formatierungen kriege ich damit problemlos hin. Auch Excel ist kein Problem, wogegen ich mit Numbers unter Mac irgendwie nicht warm werde.

Es wurde mir schon gesagt, dass Office 2016 bereits mit VoiceOver kompatibel sei. Ich höre aber auch, dass dies noch nicht in dem Maße funktioniert, wie ich das unter Windows gewohnt bin. Vielleicht probiere ich es mal aus, wenn die Unterstützung von VoiceOver fortschritte macht.

Homebanking

Unter OS X nutze ich schon von Anfang an Bank X. Das Stück Software kann einfach alles, was ich von einer Banking-Software erwarte, inklusive Reports, die mir schnell und unkompliziert einen Überblick geben. Auch diese Software ist gut mit VoiceOver bedienbar. Das war am Anfang nicht so, aber mittlerweile hat sich da vieles sehr zum Guten gewandelt.

Unter Windows habe ich früher noch mit einer alten Version von Quicken gearbeitet. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist mir kein Programm bekannt, welches meinen Ansprüchen genügt. Es gibt da wohl Banking For W, oder wie das Teil jetzt heißt, aber auch hier, es muss kostenpflichtig ein Jaws-Script gekauft werden, damit es funktioniert. Kurz gesagt, wird an der Homebanking-Software was geändert, darf man evtl. noch die Scripte kostenpflichtig updaten. Das wäre mir dann doch zu viel Abhängigkeit.

Natürlich besteht diese Gefahr auch bei Bank X. Wenn die ihre Oberfläche ändern, könnte es auch mit VoiceOver zu Problemen kommen. Aber da der Support hier sogar in den jeweils neuen Versionen gut auf die Bedürfnisse von VO-Nutzern eingegangen ist, sehe ich diese Gefahr eher als klein an.

Blogs

Unter Windows schreibe ich in Blogs, indem ich mich in die Administrationsoberfläche der Blogs einlogge und dort einen neuen Artikel erstelle. Das geht, ist sogar recht komfortabel, dauert aber. Man muss hier zu den jeweiligen Formularelementen springen, Einstellungen vornehmen und der Editor ist simpel.

Am Mac mache ich das mit MarsEdit. Hier habe ich beide Blogs eingestellt, die ich betreibe. Nun kann ich ganz einfach ein neues Dokument, ähnlich einer neuen Mail, erstellen, schreiben und mit einem Tastendruck veröffentlichen. Das geht auch mit eingebetteten Bildern, HTML-Tags oder, wie ich das gerade mache, geschrieben in Markdown. Auch dieser Artikel wird gerade mit MarsEdit geschrieben.

Auch für Windows gibt es solche Software. Ich habe auch so das Eine oder Andere davon genutzt. Ob es Browser-Plugins waren, oder eigenständige Programme. Bedienbar waren sie alle mehr oder weniger schlecht. MarsEdit hingegen ist vollständig bedienbar und sehr komfortabel. Nur das Schreiben von Artikeln über die Webseite des Blogs wäre hier für mich eine Alternative, aber auch nur, wenn ich meinen Mac gerade nicht zur Hand habe. 🙂

SSH

Ich administriere meinen Homeserver per SSH. Die Blogartikel hierüber kann man auch hier auf TuKSuB finden. Aber dies tue ich ausschließlich über Windows. Hier nutze ich Cygwin. Dies lässt sich zumindest mal mit Braillezeile hervorragend bedienen. Allein auf Sprache würde ich mich hier nicht verlassen wollen.

Am Mac hingegen ist SSH im Terminal eher was für Notfälle. Editieren von Konfigurationsdateien, generell die Steuerung mit VoiceOver, finde ich eher subobtimal. Hier ist der Mac also definitiv keine Alternative, jedenfalls noch nicht. Es könnte sein, dass es irgendwann mal eine App gibt, die das besser löst.

Fazit

Das soll mal nur ein Überblick sein. Und an einem einzelnen Tag kann man auch nicht alles testen. Zum Beispiel habe ich meinen Mac noch nie zum Scannen und für die Texterkennung genutzt. Das habe ich schon immer mit dem Windows PC gemacht, weswegen hier auch nicht verglichen werden kann.

Grundsätzlich ist zu sagen, würde ich auf etwas Komfort verzichten, könnte ich auch ohne Mac. Aber der Mensch ist halt bequem. 🙂 Daher wird der Mac auch bleiben. Nichts desto trotz werde ich vieles weiter auf Windows tun. Mail und Office erledige ich vorzugsweise auf Windows, Homebanking sowieso nur auf Mac und der Rest? Nun, Mal so, mal so. Windows läuft hier in einer virtuellen Maschine gut genug, um diese Aufgaben auch am MacBook durchzuführen.

Sollte also irgendwann in naher Zukunft die Entscheidung anstehen, ein neues Notebook zu kaufen, wird es höchstwahrscheinlich ein Mac oder vielleicht sogar nur ein Akkuaustausch.

Überraschend war für mich, obwohl ich fast alles auch auf Windows machen kann, wie unersetzlich der Mac doch geworden ist. Besonders beim Homebanking fällt das auf. Ich hätte erwartet, auch auf Windows das eine oder andere bedienbare Programm zu finden, aber dass es da eigentlich kaum was gibt, hat mich dann doch überrascht. Auch beim Thema Steuererklärungen. Im Mac AppStore gibt es eine App, die mit VoiceOver bedienbar ist, am PC suche ich noch verzweifelt nach einer Software, mit der ich Steuererklärungen machen könnte.

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr ja mal in die Kommentare schreiben, ob ihr von Windows auf Mac umgestiegen seid, welche Erfahrungen ihr dabei gemacht habt und ob ihr dabei bleiben wollt. Auch der umgekehrte Weg würde mich interessieren, seid ihr evtl. von einem Mac auf Windows um- oder zurückumgestiegen?