Homeserver 32: Eine Backup-Lösung, nicht nur für Server

Ich bin begeistert! Seit einer Ewigkeit, lange vor dem Homeserver-Projekt schon, beschäftige ich mich damit, wie man wohl große Datenmengen zuverlässig sichert. Auch mit meinem NAS von QNAP hatte ich das Problem schon. Was also tun? Ein zweites, teures NAS, nur für ein Backup hinstellen? Ausgeschlossen! Das sprengt nicht nur jeden finanziellen Rahmen, sondern ist auch mit Atombomben auf Ameisen geworfen! Der Aufwand, das zweite NAS zu verwalten, ist viel zu hoch obendrein.

Die Lösung, die ich nun gefunden habe, taugt nicht nur für den Server, sondern für jedes Laufwerk. Auch euren lokalen Windows-Rechner könnt ihr so sichern. Alles, was es dazu braucht ist eine kostenlose Software und externe Festplatten.

Das Problem

Ob es nun ein NAS ist, welches ihr euer Eigen nennt, ein selbst gebauter Server, wie in meinem Fall, oder einfach nur eine Datenpartition eures Windows-Rechners, die Frage ist immer die gleiche: Wie sichere ich meine Daten. Bei einer recht kleinen Partition mag diese Frage ja noch einfach zu beantworten sein. Aber was tun, wenn der zu sichernde Datenbestand größer ist, als jede externe Platte, die ihr euch heutzutage kaufen könntet? Dann wird es schwierig, nicht wahr?

Bislang habe ich eine Bastellösung aus Robocopy und einem ziemlich komplexen Aufruf durch eine Batch-Datei gelöst. Dabei habe ich mich eines uralten Bekannten bedient, welcher mir schon zu DOS-Zeiten gute Dienste leistete, dem Archiv-Attribut. So habe ich Robocopy alle Dateien kopieren lassen, die das Archiv-Attribut hatten. Selbst kleinste Änderungen ließen sich so leicht sichern.

Der Vorteil dieser Methode war, sie funktionierte. Der Nachteil dieser Methode war, ich hatte hinterher keine Ahnung, welche Datei auf welcher Platte gelandet war. So konnte ich zwar das RAID in seiner Gesamtheit problemlos wiederherstellen, suchte ich aber eine bestimmte Datei, wurde es anstrengend… Wir reden hier immerhin schon über 7 einzelne externe Festplatten. Da macht Suchen echt keinen Spaß mehr…

Die Lösung

Wieder einmal durchsuchte ich frustriert das Web nach einer guten und brauchbaren Backuplösung, die wenig kostet und möglichst mit einfachen externen Platten zu realisieren ist. Und eher durch Zufall, in einem Nebensatz eines Forenbeitrags eingestreut, stolperte ich über eine Software. Beinahe hätte ich es übersehen, wer weiß, wie oft ich diese Software schon übersehen habe bei meinen Suchen bisher. Doch nun habe ich sie: AnyBackup. Die Software ist, zumindest größtenteils, mit Jaws bedienbar. Naja, eigentlich ist sie vollständig bedienbar, aber man muss teilweise mit dem Jaws-Cursor arbeiten, um zwischen den Listen hin und her zu wechseln, was etwas umständlich ist. Mit Braillezeile geht das auch.

Funktionsweise

AnyBackup arbeitet mit einer Datenbank im Hintergrund. Man fügt eine oder mehrere Quellen hinzu und eine oder mehrere Ziele. Hier mal ein Beispiel:

Mein RAID hat mehrere Freigaben, auf denen ich Daten hinterlasse. Die wichtigsten, von denen ich auch immer ein Backup haben will, sind meine Daten-Freigabe auf Laufwerksbuchstabe Z: und meine Webserver-Daten auf Buchstabe Y:. Die einzelnen Symbole in der Symbolleiste haben Text und sind mit Jaws daher gut zu lesen. Also suche ich aus der Symbolleiste das Symbol für „Hinzufügen“ aus und klicke dieses. Nun werde ich gefragt, ob ich ein Backup-Laufwerk oder ein Quell-Laufwerk hinzufügen möchte. Ich wähle Quell-Laufwerk und drücke Enter. In dem nun aufgehenden Dialog wähle ich das Netzlaufwerk Z: aus und drücke OK. Jetzt werde ich gefragt, ob ich das Laufwerk indexieren möchte, hier antworte ich natürlich mit „Ja“.

Nun liest AnyBackup alle vorhandenen Dateien auf Laufwerk Z ein und speichert sie in seiner Datenbank. Dies tue ich noch einmal für Laufwerk Y, so dass auch dessen Dateien nun in der Datenbank sind. Wir reden hier nur über die Dateinamen, Größen und Datumsangaben, nicht über die Dateiinhalte selbst. Nicht, dass ihr denkt, alle Dateien werden jetzt vollständig… 🙂

Ich sichere auf verschiedenen einzelnen externen Festplatten. Um dies zu tun, habe ich ein USB 3.0 Festplattendock, in das die Festplatten senkrecht reingestellt werden. So kann man die Platten leicht wechseln. Also stelle ich mal die erste Platte ins Dock und schalte es ein.

In AnyBackup Mache ich das gleiche, wie eben, nur dass ich diesmal Backup-Laufwerk auswähle. Es öffnet sich eine Liste der verfügbaren Laufwerke, ich suche mein externes Laufwerk, markiere mit der Leertaste das Kontrollkästchen und drücke Enter. Auch hier werde ich gefragt, ob ich das Laufwerk indexieren möchte, aber es ist ja leer. Daher ist es ziemlich egal, was ihr hier antwortet. Das gleiche mache ich jetzt mit allen verfügbaren externen Festplatten, die ich für das Backup nutzen möchte.

AnyBackup merkt sich den Laufwerksnamen und Volumeseriennummer. Wenn sich also dessen Laufwerksbuchstabe ändern sollte, spielt das für AnyBackup jetzt keine Rolle mehr, es würde die Platte trotzdem finden.

Backup

Wenn ich jetzt also den Befehl zum Sichern gebe, verlangt AnyBackup nach der ersten Platte, befüllt diese bis es wirklich nicht mehr geht, speichert sich den Inhalt der Platte in seiner Datenbank und verlangt dann die nächste Platte. Wurden im Quell-Laufwerk Dateien entfernt, so werden sie im nächsten Backup-Lauf auch vom Ziel entfernt.

Nie vergessen, vor dem Backup den Index der Quell-Laufwerke im Menü „Aktualisieren“ auffrischen. Jetzt kann man z. B. im Menü „Bearbeiten“ auch nachsehen, welche Dateien noch gesichert werden müssen.

Die Daten werden auf die verschiedenen externen Platten so verteilt, dass diese optimal ausgenutzt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die einzelnen externen Platten unterschiedlich groß sind. AnyBackup kennt die Größe jedes Laufwerks und verteilt die Daten entsprechend.

Wiederherstellung

Nehmen wir an, mein RAID-Laufwerk Z wäre jetzt leer, könnte ja versehentlich alles gelöscht haben… 🙂 Jetzt lasse ich also das Quell-Laufwerk indexieren und lasse mir dann anzeigen, welche Dateien fehlen. Im Menü „Bearbeiten“ mit dem Punkt „Vorschau: Alte Dateien“. Wenn ich jetzt auf „Wiederherstellung“ gehe, werden alle auf dem Quell-Laufwerk fehlenden Dateien wiederhergestellt.

OK, aber das ist ja eher ein Szenario, das selten vorkommt. Viel häufiger wollt ihr eine ganz bestimmte Datei wiederherstellen. Entweder, weil sie weg ist, oder weil ihr sie bearbeitet habt und die alte Version doch die bessere Variante ist. Das geht über die Suchfunktion. Im Menü „Datei“ oder einfach über Strg+F.

Hier kann man den Suchbegriff eingeben, ob man in Quelle oder Ziel sucht. Klick man nun auf OK, so taucht das Ergebnis im unteren Fenster auf, in das man wieder mit Braillezeile oder Jaws-Cursor klicken muss. Man sucht nun die zu wiederherstellende Datei, simuliert einen Rechtsklick und wählt nun „Kopieren nach“ aus. Nun noch den Zielordner angeben, AnyBackup verlangt dann noch nach der richtigen Backup-Platte, fertig.

OK, nachdem man weiß, auf welcher Backup-Platte die betreffende Datei ist, kann man sie auch per Hand kopieren, ist wohl leichter. Die Dateien werden auf die Backup-Platten einfach nur kopiert, so dass man sie auch von dort per Explorer kopieren kann.

Wichtig: Macht, wenn möglich, keine Änderungen an den Backup-Platten per Hand. Möglicherweise bekommt das AnyBackup nicht mit und macht hinterher Fehler. Überlasst die Verwaltung der Platte AnyBackup.

Fazit

RAID ist kein Backup! Ein RAID schützt euch nur vor einem Festplattenausfall, nicht vor Datenverlust. Es ist also dennoch ein Backup nötig!

AnyBackup ist sicher nicht das bequemste Stück Software, vor allem, weil man mit viel Jaws-Cursor arbeiten muss. Aber es tut was es soll, und das sehr zuverlässig. Und es ist alle mal besser als meine Robocopy-Bastellösung!

Ihr könnt das Tool auch zum Sichern eurer lokalen Datenpartitionen nutzen. Es ist zwar zum Sichern gedacht, arbeitet aber, gerade wegen seiner Funktionsweise, auch gut als Synchronisationswerkzeug. Aber sein eigentliches Ziel ist es, große Datenmengen effektiv auf mehrere externe Festplatten zu verteilen.

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