One Week: Eine Woche ohne Windows

In letzter Zeit habe ich ja Podcasts zum Mac-Einstieg am laufenden Meter produziert. Und es werden noch einige folgen. Ich habe noch viele Ideen, was noch mit dem Mac anzustellen ist, und einiges davon könnte durchaus von Interesse für den Einen oder Anderen sein. Und da ich mit der Podcast-Reihe nun an einem Stand angekommen bin, wo der Mac eigentlich produktiv genutzt werden kann, dachte ich, mache ich das doch mal… 🙂 Daher war ich in der Osterwoche unterwegs und statt meines Windows-Laptops habe ich mein MacBook Pro mitgenommen. In diesem Artikel möchte ich relativ kurz auf meine Eindrücke dieser Woche eingehen.

Das Ganze macht ja keinen Spaß, wenn man nicht auch seine Daten dabei hat. Wie man das MacBook mit dem Windows-Rechner oder einem vorhandenen NAS verbindet, habe ich in den Podcasts ja vorgeführt. Dennoch, die Daten müssen ja irgendwie aufs MacBook und später die geänderten Daten auch wieder zurück. Es gibt unter Mac OS bestimmte Tools, die eine Synchronisation von Ordnern zulassen, aber diese habe ich noch nicht getestet. Daher bediene ich mich zur Zeit noch der Windows-Boardmittel.

Um also Daten zum MacBook und wieder zurück kopieren zu können, muss ich das MacBook am Windows-Rechner erst mal als Netzlaufwerk verbinden. Ich mache das immer über die Kommandozeile, weil ich das so gewohnt bin. Das geht selbstverständlich auch über den Explorer. Ich gebe also folgenden Befehl ein:

net use m: \\kamil3\kguenay

Jetzt scheint es hier aber ein Problem zu geben, welches ich noch nicht ganz ergründet habe. Denn manchmal klappt die Verbindung, und manchmal akzeptiert er Benutzername und Kennwort nicht. Hier muss man, so weit ich es bisher getestet habe, das MacBook so oft neu starten und erneut versuchen, bis es klappt. meistens klappte es nach dem dritten versuch. Vielleicht gibt es eine andere Lösung, aber da muss ich noch recherchieren.

Jetzt ist mein MacBook also als Netzlaufwerk verbunden und ich kann jetzt Daten hin- und herschieben, wie auf einer lokalen Platte. Hierzu verwende ich nur für die Dokumente das von Apple voreingerichtete Standardverzeichnis, für alles andere verwende ich eine eigene Verzeichnisstruktur. Will ich also meine Daten von den eigenen Dateien auf den Mac ins Dokumente-Verzeichnis kopieren, mache ich folgendes:

robocopy „d:\Eigene Dateien“ m:\Documents /mir /xo /fft

Wie ihr seht, das Verzeichnis auf dem Mac ist eigentlich englisch, wird aber durch die Betriebssystemsprache lokalisiert, wodurch aus Documents Dokumente wird.

Die Parameter hinter dem Befehl sind eigentlich einfach: /mir für das Spiegeln des Verzeichnisses. /xo zum ignorieren älterer Dateien und /fft für die Behandlung der Zeitstempel. Der ist besonders wichtig, da sonst Robocopy den gesamten Datenbestand wieder und wieder kopiert, obwohl daran nichts geändert wurde. Um nur die Änderungen zu berücksichtigen, ist der /fft Parameter erforderlich, damit die Zeitstempel korrekt verarbeitet werden.

Ich erstelle jetzt also eine Batch-Datei, die alle Kopierbefehle für die einzelnen Verzeichnisse vom PC zum Mac enthält, und eine zweite, die die gleichen Kopierbefehle vom Mac zum PC enthält. So kann ich auf einfache Weise beide Datenbestände synchron halten. Später werde ich noch Programme testen, die das auch direkt auf dem Mac können, aber für den Augenblick ist das schon eine ziemlich brauchbare Lösung.

Nun habe ich meine Daten auf dem MacBook, sitze im Zug und habs mir gemütlich gemacht. Und da die Fahrt jetzt noch echt lange dauert, lese ich mal ein Perry-Rhodan-Taschenbuch, genauer gesagt, Band 313, Atlan und die Selbstmörder.

Nun ist das Lesen von Büchern im Word-Format auf dem Mac soweit kein Problem. Ich vergesse zwar immer noch, die Cursor voneinander abzukoppeln oder wieder anzukoppeln, und auch die Mehrfachinteraktionen mit Elementen in Pages ist noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen. Aber im Großen und Ganzen geht es doch ganz gut. Allerdings nutze ich zum Lesen die Anna Kompakt. Wer auch immer behauptet, die Anna HQ sei High Quality, nun, der muss es selbst wissen. Ich hatte nach 10 Minuten Kopfschmerzen. Dieses Gejodel kann sich ja keiner auf Dauer anhören! Mit Anna Kompakt hingegen geht es besser, wenn auch nicht so schön, wie ich es gerne hätte. Haut mich ruhig, aber ich hätte gerne die Eloquence zurück!

Was auch ein Problem ist, Anna Kompakt hat den Wortschatz einer 10jährigen. 🙂 Nein, echt kein Witz. Dass sie Namen oder Orte nicht korrekt ausspricht, ist ja verständlich, aber auch sehr viele deutsche Wörter machen ihr zu schaffen. Vor allem zusammengesetzte Wörter. Ich habe im VoiceOver-Dienstprogramm unter Tastatursteuerung eine Tastenkombination der Funktion zum Eintragen von Ausspracheausnahmen definiert. Die rechte Wahltaste und W öffnet jetzt bei mir diesen Dialog zum Eintragen von Ausnahmen. Und nach und nach lernt Anna, flüssiger und sauberer zu lesen. Allein in der Woche habe ich weit über hundert ausnahmen eingetragen, und das Lesen ist signifikant angenehmer geworden. Das wird auch noch eine Weile so weiter gehen mit dem Eintragen, aber mittlerweile stört Anna den Lesefluss kaum noch.

Podcasts lade ich noch mit dem Windows-PC und Juice herunter. Später mache ich das wohl mit dem Mac. Ob nun mit iTunes oder einem anderen Programm, weiß ich noch nicht, aber sehe ich dann. ich habe also mein Podcast-Verzeichnis ebenfalls mit einem Robocopy-Befehl auf das MacBook kopiert. Da ich einzelne Dateien jetzt aber nicht mit iTunes öffnen will, habe ich MP3s das Programm VLC als Player zugewiesen. So lassen sich die Podcast-Episoden prima hören und anschließend im Papierkorb entsorgen. In VLC gibt es 5 oder 6 unbeschriftete Elemente, die aber alle einen Hilfetext haben. Und mit VO+Bindestich habe ich diese Elemente alle beschriftet. Nun wird mir nicht nur „…Taste“ gesagt, sondern „Stopp-Taste“ usw.

Das integrierte Mailprogramm ist eine Umgewöhnung. Auch das Zitieren damit ist Arbeit. Aber mit etwas Einarbeitung geht das. Vor allem, wenn man es auf die klassische Ansicht umgestellt hat, ist es durchaus bedienbar. Ich komme nur immer noch mit der Konversationsansicht durcheinander, aber wie gesagt, alles eine Frage der Gewöhnung.

Als Twitterclient nutze ich die Nachteule. Dieser japanische Name ist ziemlich kompliziert, hoffentlich verschreibe ich mich nicht wieder. Er heißt Yorufukurou. Eines muss man sagen, die haben in ihrer Programmbeschreibung einen Fehler gemacht, „This is for twitter addicts“. Nö, es müsste heißen: „this is for twitter addicts, and if you are not already one, you will become one!“. 🙂 Denn Twitter macht damit richtig Spaß! Meine beiden Accounts, Twitterlisten und so weiter und so fort. 🙂

Für mich ganz wichtig, RSS-Feeds. ich stelle mir so zu sagen meine Tageszeitung damit zusammen. 🙂 Und mit Vienna habe ich einen mit VoiceOver sehr gut bedienbaren RSS-Reader, der meinen Ansprüchen fast vollständig entspricht. Über RSS werde ich noch einen Podcast machen, wo ich Vienna, NetNewsWire und die RSS-Funktion in Mail vergleiche.

Ich bin kein besonders guter Schachspieler. Aber für ein Spielchen zwischendurch ist das Schachprogramm auf dem Mac echt nicht übel. Obwohl ich eine Weile gebraucht habe, die englischen Begriffe für die Figuren und bestimmte Züge zu lernen. Aber, obwohl ich jede Partie bisher verloren habe, hat es doch Spaß gemacht.

Natürlich habe ich in dieser Woche nicht alles gemacht, was möglich wäre oder was ich alles noch machen wollte. Dafür ist eine Woche einfach zu kurz. Aber mein bisheriges Fazit ist: Es geht, sogar recht bequem, obwohl ein gewisses Unbehagen bleibt. Das ist aber eher dem zuschulden, dass das System noch neu für mich ist und ich noch nicht alles so im Griff habe, wie ich es gerne hätte. Manchmal überfordert dieses Interaktionsprinzip mich noch, vor allem, weil man etwas nicht hinbekommt und vor Frust nicht auf die Idee kommt, einfach ein zweites mal mit dem Objekt zu interagieren. Aber das sind so Sachen, die hatte ich bei Windows zu Anfang auch. Das geht mit regelmäßiger Nutzung von alleine weg. Zur Zeit kann ich nur ganz wenige Punkte sehen, für die ich Windows bräuchte. Das ist die OCR, also scannen mit Finereader, obwohl es ja auch schon Finereader Express für Mac gibt. Aber auch das muss ich noch testen. Und die OCR-Nachbearbeitung. Ich nutze WordPipe zum Ersetzen von OCR-Fehlern und eine Vielzahl von Word-Makros, die ein Dokument nachbearbeiten, was per Hand einfach zu lange dauert. Wenn ich hierzu Mac-Alternativen finde, nutze ich diese, aber sonst wird es wohl eine klitzekleine Windows-Installation in einer VM auch tun. Aber die hauptsächlichen tägliche Tätigkeiten kann ich jetzt schon völlig auf den Mac verschieben.

Obwohl ich zwar Homebanking nicht getestet habe, wobei das für mich auch sehr wichtig ist, kann ich nach dieser Woche deutlich sagen, Windows ist für mich keine Option mehr, wenn es um die Neuanschaffung von Computer-Hardware geht. VoiceOver reagiert knackig und flink, ich hatte nicht einen Hänger oder Ruckler, und die Akkulaufzeit ist einfach nur genial! Endlich reicht der Akku für die ganze Zugfahrt!

Ich möchte jetzt keinen zum Mac überreden, aber ich hoffe, dieser Artikel zeigt, dass der Mac durchaus einen Gedanken wert ist. Und ich hoffe euch auch bald wieder mit neuen Podcasts zum Mac versorgen zu können. Weitere werden demnächst aufgezeichnet. Bis dahin wünsche ich euch noch viel Vergnügen!

Ein Gedanke zu „One Week: Eine Woche ohne Windows“

  1. Hi Kamil,
    ein sehr netter und interessanter Bericht. Obwohl ich erst einmal noch ein Windows-User bleiben werde, finde ich deine Mac-Podcasts und jetzt auch Wortbeiträge immer sehr interessant! Mach bitte weiter so und lass dich nicht ärgern! Viele Grüße ein TUKSUB-Fan

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