Warum ich von der iCloud weg will

Als ich mit dem Nokia Communicator 9210 mein erstes sprechendes Smartphone mit Talks hatte, wäre mir nie in den Sinn gekommen, je was anderes nutzen zu wollen. Später bin ich auch bei Nokia und Talks geblieben. Für meine Daten war das nie ein Problem, ich habe ja immer schon mit Outlook synchronisiert. Somit hatte ich nie die Entscheidung zu treffen, wie ich meine Daten von einem Gerät zum anderen bekomme. Später mit dem Communicator 9500 und den späteren S60-Geräten stellte sich diese Frage nie. Und als ich dann auf das iPhone mit VoiceOver gewechselt bin, ist mir auch nie der Gedanke gekommen, ich würde mal was anderes nutzen wollen. Und im Augenblick ist das immer noch der Fall. Zwar habe ich meine Daten jetzt nicht mehr mit Outlook synchronisiert, sondern mit der iCloud, aber auch hier war der Umstieg einfach. Doch was, wenn ich irgendwann doch mal was anderes nutzen möchte? Schließlich bin ich irgendwann ja auch von Talks weggegangen, was, wenn ich vom iPhone weg will? Die Daten aus der iCloud zu bekommen, ist hier nämlich gar nicht so wirklich vorgesehen. Es steht für mich zwar gerade kein Wechsel an, aber dennoch, jetzt, wo ich quasi keinen Zeitdruck habe, könnte ich mich ja mal mit diesem Thema beschäftigen. Dies habe ich getan, und habe meine Daten aus der iCloud befreit.

Dieser Gedankengang ist durchaus inspiriert vom Blogeintrag von Marco Zehe, wo er seinen Umstieg auf Android beschreibt. Zwar will ich gerade nicht wechseln, aber was, wenn doch? Wie kriege ich dann meine Daten aus der iCloud? Marco hat den Weg über einen Exchange Server genommen, was auch gut ist, denn das wird von so gut wie allen Smartphones und Systemen unterstützt. Ich habe mich stattdessen für CalDAV und CardDAV entschieden.

Notizen

Hier synchronisiere ich mit dem IMAP-Mailaccount. OK, nicht die beste aller Lösungen. Hier werde ich mir auch noch was einfallen lassen, zumal es auch wieder so eine Apple-eigene Sache ist. Es hat aber den Vorteil, dass ich die Notizen im Mailprogramm auf Windows oder sonst wo wenigstens lesen kann, wobei das Erstellen eher ein Problem ist. Vorübergehend kein Problem, aber eine Lösung muss dennoch mal her.

Kontakte

Meine Kontakte habe ich bisher mit der iCloud synchronisiert. Das hat den Nachteil, dass fast nichts außer Apple-Geräte und -software auf diese zugreifen konnte. Das hat mich schon immer gestört, da ich mit Thunderbird unter Windows gelegentlich arbeite und dort nur ein veraltetes Adressbuch nutzen kann. Also war dies mein erstes Ziel. Die Daten mussten ja erst mal aus der iCloud raus. Hierzu geht man auf die Seite www.icloud.com und meldet sich mit seiner Apple-ID an. Unter Windows und Firefox ist die Seite nicht wirklich schön zu bedienen, geht aber. Man sucht sich hier die Taste „Kontakte“, aktiviert diese und geht dann ziemlich weit unten auf den Schalter „Aktionen-Menü einblenden“. Es öffnet sich ein Menü, aus dem uns aber nur 2 Einträge interessieren. Zunächst aktivieren wir „Alles auswählen“, anschließend muss das Menü erneut aufgerufen werden. Nun aktivieren wir den Punkt „vCard exportieren“. Es wird eine einzelne VCF-Datei heruntergeladen, in der alle Kontakte enthalten sind.

Als Cloud-Anbieter habe ich mir die Blindzeln Cloud ausgewählt. Hier läuft eine Owncloud-Instanz. Mich interessiert der Datenspeicher nicht, ich lege ohnehin nur selten Daten in die Cloud. Aber was mich interessiert ist CalDAV und CardDAV. Daher habe ich das kleinste Paket mit 1 GB Speicher ausgesucht. Und 2 Euro im Monat sind jetzt nun auch nicht die Welt! 🙂

Nun melde ich mich also bei meiner Owncloud-Instanz an, wähle aus dem Menü „Kontakte“ und suche nach dem Import-Knopf. Der ist aber leider nicht sehr leicht zu finden. Hier gibt es 3 unbeschriftete Buttons: Unbeschriftet 0, Unbeschriftet 1 und Unbeschriftet 2. Der Button „Unbeschriftet 1“ ist der Import-Button, durch Ausprobieren herausgefunden. 🙂 Hier kann man nun die eben heruntergeladene VCF-Datei hochladen. Innerhalb von Sekunden waren alle meine Adressen vorhanden.

Nun noch den Account in Mac, iPhone und Thunderbird einbinden, und alles ist bestens. Nach oberflächlichem Überfliegen kann ich sagen, alle Daten sind da, und auch die Feldbezeichnungen und Zuordnungen der Telefonnummern stimmt noch. Da CardDAV von vielen Systemen und Programmen genutzt wird, bin ich somit unabhängig von Soft- und Hardware.

Ach ja: Wer CardDAV mit Thunderbird nutzen möchte, benötigt die SOGO_Connector Erweiterung.

Kalender und Erinnerungen

Das ist schon etwas schwieriger, weil ich in der iCloud keine Option gefunden habe, die Kalenderdaten zu exportieren. Vielleicht gibt es eine, ich habe jedoch keine gefunden. Daher habe ich den CalDAV-Account einfach in meine Geräte und Software eingebunden und manuell alle Termine umgestellt. Im iPhone z. B. kann man in den Ereignisdetails auswählen, in welchem Kalender er auftauchen soll. So habe ich die Ereignisse, die mir wichtig sind, auf meinen Owncloud-Kalender umgestellt. Wenn man das mit allen Ereignissen machen möchte, ist man eine Weile beschäftigt, tut man das nur mit den paar neuen Ereignissen, geht das recht schnell. Ich habe nur die neuen Ereignisse gewählt, weil mir die vergangenen Ereignisse zu viel Aufwand gewesen wären. Aber vielleicht mache ich das ja noch.

Wenn jemandem eine einfachere Lösung für den Kalender einfällt, würde ich mich über Kommentare freuen!

Fazit

Mit meinen Kontakten, Kalenderdaten und Erinnerungen bin ich nun unabhängig von der iCloud. Diese nutze ich aber natürlich weiter. So macht mein iPhone z. B. immer noch seine Backups dort hin. Damit möchte ich ja nicht auf die Möglichkeiten verzichten, das Gerät ohne PC wiederherstellen zu können. Aber, sollte ich in ferner Zukunft auf ein anderes System wollen, oder sollte ich zum ausprobieren ein weiteres System hinzukaufen, so muss ich mich jedenfalls wegen meiner Daten nicht mehr verbiegen. Es ging mir auch nicht darum, dass meine Daten bei Apple lagen. Wenn die mir eine freie Schnittstelle angeboten hätten, so dass ich mit allen Systemen und Programmen hätte darauf zugreifen können, hätte ich meine Daten dort gelassen. Aber die iCloud ist halt nur Apple-Welt. Zwar ist zur Zeit bezüglich der Accessibility nichts vergleichbares auf dem Markt, aber andere holen auf. Android z. B. schläft nicht. Und was, wenn es in 3, 5 oder 10 Jahren was besseres gibt? Spätestens dann hätte sich die Frage des Datenexports gestellt. Besser jetzt, wo man in Ruhe planen kann, als später, wo man unter Druck steht.