Projekt Homeserver im Eigenbau 5: Debian auf dem Server installieren

Das hat man nun davon! 🙂 Da wollte ich die Wartezeit, bis die Hardware da ist, abkürzen, und schon mal paar Texte vorschreiben, da gerät alles durcheinander. Da verspreche ich die Installation zu Teil 3, da fällt mir auf, oh, wir haben ja noch gar nicht über Linux gesprochen. Da verspreche ich die Installation zu Teil 4, da fällt mir auf, oh, wir haben ja noch gar kein Installationsmedium. Aber jetzt ist’s wirklich so weit, in diesem Teil installieren wir Linux auf dem Server!

Kleiner Nachtrag zur Hardware

Es scheint immer mehr in Mode zu geraten, in die Gehäuse keine PC-Lautsprecher mehr einzubauen. Ich meine dieses Pieps-Ding. Klar, im normalen PC-Betrieb ist der Nutzen so eines Piepsers zu vernachlässigen. Es gibt meiner Ansicht nach aber trotzdem eine Menge Gründe, auf so einen Piepser nicht zu verzichten. Als Blinder weiß man z. B. ob der Rechner normal bootet, oder einen Fehler hat, weil er dann einen längeren Piepton von sich gibt. Fällt ein CPU-Lüfter aus, ob er nun kaputt ist oder nur ein Kabel sich darin verfangen hat, piept der Rechner. All diese Meldungen bekommt man nicht, wenn der Piepser fehlt. Und bei meinem Zalman Z11 Plus ist leider keiner dabei gewesen.

Ich habe für 5,37 € ein Mainboard Diagnoseset gekauft, welches aus 5 Teilen besteht. Da sind die LEDs für Power und HDD, Reset-Taster und Power-Taster. Die brauche ich nicht, lege ich mal bei Seite. Aber es war halt auch ein aufsteckbarer Piepser im Tütchen, so dass mein Board wieder Pieptöne von sich geben kann.

Das ist auch später noch mal wichtig, weil ich versuchen will, dem Server beizubringen, bei Fehlern sich akustisch bemerkbar zu machen.

Installation

Naja, das BIOS haben wir nun konfiguriert, den Installations-Stick erstellt, die Kaffeemaschine ist aufgetankt und mit ausreichend Kaffee beladen, dann kann es ja los gehen.

Ich habe den Server jetzt neben meinen eigentlichen Windows-Rechner gestellt, weil ich mir paar Kabel davon ausleihen möchte. Ich schließe den Monitor, Tastatur, Netzwerk, Strom und Braillezeile an den Server an.

Ja, Debian unterstützt von Haus aus Braillezeilen. Und zwar läuft im Textmodus der Screenreader brltty. Hat man eine Zeile, die davon unterstützt wird, so wird diese automatisch erkannt, und ab einem bestimmten Punkt der Installation, relativ am Anfang sogar, hat man Brailleunterstützung. Ich habe eine Handy Tech EasyBraille, die von brltty unterstützt wird.

Anschließend stecke ich den Stick mit der Debian-Installation in einen freien USB-Anschluss an der Vorderseite des Gehäuses und schalte den Rechner ein. Für eine kurze Zeit noch braucht ihr sehende Hilfe, bis der Debian-Installer auf den Textmodus umgeschaltet hat und die Braillezeile läuft. Falls ihr keine Zeile habt, die von Debian unterstützt wird, oder überhaupt keine, so könnte man die Installation mittels Sprachausgabe nutzen. Aber wie das geht und wie genau das funktioniert, habe ich nicht getestet. In so einem Falle würdet ihr für die Installation noch sehende Hilfe benötigen.

Wenn ich den Rechner jetzt also einschalte, und er piepst einmal ganz kurz, drücke ich mehrmals F11, damit ich den Auswahlbildschirm bekomme, in dem ich das Boot-Laufwerk auswählen kann. Von der SSD können wir ja nicht booten, da ist ja noch nix drauf. Hier wähle ich meinen USB-Stick aus und drücke Enter. Wenige Sekunden später piepst es erneut, und diejenigen unter euch, die einen Sehrest haben, sehen das grafische Debian-Menü vor sich.

Installationsmethode

In so gut wie allen Fällen sollte die Standardinstallationsmethode die richtige sein. Hier werden einem nur sehr wenige Fragen gestellt und vieles mit Standardwerten festgelegt. Der Cursor steht da schon drauf, wollt ihr also die normale Installation nutzen, drückt einfach auf Enter.

Ich möchte aber den Expertenmodus nutzen. Hier werden einem alle Fragen gestellt, was natürlich auch etwas länger dauern könnte. Aber dafür muss ich hinterher die Werte nicht manuell in irgendwelchen Konfigurationsdateien anpassen. Offen gestanden, ich weiß nicht, welche Fragen da alle kommen, aber ich nehme fast an, es könnte mir später Arbeit ersparen, wenn ich den Expertenmodus nehme. Den erreicht ihr, wenn ihr gleich 2 mal Pfeil runter drückt, Enter, und noch 1 mal Pfeil runter und Enter. Ein paar Sekunden später kommt die Braillezeile und es steht „Choose language“ auf der Zeile.

Sprache und Regionseinstellungen

Bei der Sprache wähle ich Englisch. Das hat mehrere Gründe:

  • Manche Programme sind nicht übersetzt. So hätte ich ein Gemisch aus deutschen und englischen Programmen. Und für mich ist es relativ egal, weil mein Englisch für so was ausreicht.
  • Wenn ich Skripte aus dem Internet abschreibe oder herunterlade, funktionieren die evtl. nicht, wenn ich auf Deutsch umstelle. Die suchen auf dem Bildschirm nach bestimmten Texten, und die sind in Deutsch dann ja anders als im Skript hinterlegt.
  • Wenn man Anleitungen im Internet liest, sind da oft die englischen Begriffe aufgeführt. So komme ich zumindest mal nicht durcheinander.

Letztlich könnt ihr das so handhaben, wie es euch beliebt. Ich habe es gerne in Englisch.

Bei der Auswahl des Landes nehmen wir wieder Deutschland, damit Zeitzone und andere Werte korrekt gesetzt werden. Auch für die Tastatur wähle ich Deutschland.

CD-ROM Erkennung und Installer-Module

Anschließend wird das System nach CD-ROM-Laufwerken durchsucht, um evtl. CDs oder DVDs mit Debian zu finden. Ist dies getan, kommt eine Liste der Installer-Module, die man optional laden kann. Hier ist nichts nötig, denke ich mal.

Netzwerk

Zuerst wird man gefragt, ob man das Netzwerk automatisch konfigurieren will. Nein, das will ich nicht. Ich will dem Server eine feste IP geben, und damit ich das nicht nachher umständlich in Konfigurationsdateien machen muss, mache ich das gleich hier. Also wähle ich „Nein“ als Antwort.

Nun kommt die übliche Abfrage nach IP-Adresse, Subnetzmaske und Gateway, und zwar jeder Wert in einem eigenen Dialogfeld. Schön ist, dass Subnetzmaske und die Adresse der Fritz!Box als Gateway schon eingetragen waren, nachdem ich die IP-Adresse eingegeben hatte. Und am Ende gibt es noch ein schönes Dialog, wo die Daten noch einmal angezeigt werden und bestätigt werden müssen.

Danach kommt etwas wichtiges, nämlich der Hostname. Der Server braucht einen Namen, und so einfallsreich, wie ich nun mal bin, nenne ich den einfach mal „server01“. 🙂 Anschließend wird man nach einem Domain Name gefragt. Das Feld lasse ich leer.

Benutzer

Als erstes wird man gefragt, ob man Shadow Passwords nutzen möchte. So ganz habe ich das nicht verstanden, aber es werden die Passwörter wohl in einer separat verschlüsselten Datei gespeichert. Es soll das System noch sicherer machen. OK, dann sagen wir mal ja dazu.

Die Frage, ob der User Root sich einloggen kann, beantworte ich mal mit nein. Root darf alles, und wer sich als Root einloggen kann, hat alle Rechte. Lieber habe ich es, dass es den User Root nicht gibt, aber ein Admin sich je nach Bedarf Root-Rechte aneignen kann. So weiß niemand von außen, wer die Rechte hat, am Rechner alles zu dürfen…

Hierauf kommen Dialogfelder, die den vollständigen Namen, Nutzernamen und Passwort des Hauptbenutzers abfragen. Da sag ich jetzt mal nicht, was ich da so alles eintrage… 🙂

Zeiteinstellungen

Seit hier bitte ganz besonders vorsichtig. Das hat mich gerade eine Menge Zeit gekostet, man beachte die Ironie… 🙂 Denn wenn ihr gefragt werdet, ob ihr die Zeit mittels eines Zeitservers einstellen möchtet, sagt bitte „NEIN“! Denn wenn ihr „Ja“ sagt, steigt euch die Braillezeile aus. 🙁 Ich habe also „Nein“ gesagt, und bekomme nun endlich die Liste der Zeitzonen, aus der ich „Europe/Berlin“ auswähle.

Festplatten und Partitionierung

Hier mache ich nicht viel, weil ich ja die ganze SSD als Systemplatte nutzen möchte. Daher verlasse ich mich auf die Automatik des Installers und wähle die geführte Partitionierung der gesamten Platte aus.

Nun erscheint eine Liste, aus der ich meine SSD auswählen kann. Auch hier muss man vorsichtig sein, man könnte nämlich auch seinen USB-Stick versehentlich auswählen. Auch, wenn schon andere Platten im System sind, ist hier Vorsicht geboten.

Anschließend werdet ihr noch nach dem Partitionsschema gefragt, also ob ihr eine große Partition für alles, oder getrennte Partitionen für diverse Dinge haben wollt. Warum so kompliziert? Ich packe alles auf eine Partition. Und auch im nächsten Dialog, wo man noch per Hand eingreifen könnte, gehe ich auf „Finish partitioning and write changes to disk“. Im folgenden Dialog gibt es noch mal eine Zusammenfassung, die, wenn alles richtig ist, mit „Ja“ bestätigt wird.

Nun dauert es etwas, weil jetzt das Basissystem installiert wird.

Kernel und weitere Fragen dazu

Es kommt die Frage, welcher Kernel installiert werden soll. Angezeigt werden mir 2, einer mit der Versionsnummer 3.2 und einer ohne Versionsnummer. Der ohne Versionsnummer ist schon markiert, also nehme ich den mal.

Anschließend wird man nach einem initrd gefragt. Es geht darum, ob es ein generischer initrd sein soll, der alle Treiber enthält, oder ein gezielter, der nur die Treiber dieses Systems enthält. Ich habe mich für den generischen entschieden, weil ich so problemlos hardware austauschen kann, ohne das System neu installieren zu müssen.

Paket-Manager

Die Netinst-Installation beinhaltet ja nur das Basissystem. Also muss der Rest aus dem Internet nachgeladen werden. Hier wird man als nächstes auch gleich gefragt, ob man einen Spiegelserver nutzen möchte. Das wollen wir natürlich. Und als Protokoll nehme ich HTTP. In der Länderauswahl wähle ich wieder Deutschland. Hier kommt nun die Liste der Spiegelserver, von denen ich den obersten nehme.

Gefragt nach meinen Proxy-Einstellungen, lasse ich das Feld leer. Ich gehe ja nicht über einen Proxy ins Netz.

Bei der Frage, ob ich auch Non-Free-Software nutzen möchte, sage ich „Ja“. Das ist Software, die zwar mit Debian läuft, aber evtl. andere Urheberrechte hat, als Debian üblicherweise verwendet. Daher nennt Debian diese auch Nicht-freie Software.

In einem anschließenden Dialog kann man festlegen, ob man nur Sicherheitsupdates, oder auch neue Versionen von Programmen haben möchte. Das sind aber keine automatischen Updates, sondern nur die Möglichkeit, beides zu nutzen. Daher habe ich es so gelassen, wie es eingestellt ist, beide sind angehakt.

Software Installation

Nun kommen noch paar Fragen zur Software selbst. Die erste Frage ist z. B., ob ich am Popularitätswettbewerb für die Pakete teilnehmen will. Klingt erst mal doof, ist es aber gar nicht. Hier wird statistisch erfasst, welche Pakete am beliebtesten sind, so dass diese bei den Installations-CDs auf die erste Disk kommen. So braucht man sich nicht alle CDs oder DVDs von Debian runterladen, sondern hat die beliebtesten Pakete immer gleich auf der ersten CD. Ich möchte da trotzdem nicht mitmachen.

Dann kommt eine Frage bezüglich von man und mandb, das sind die Online-Hilfeseiten für Befehle und Linux selbst. Hier wird gefragt, ob ich die Seiten als vorformatierte Seiten haben will, sage ich „Nein“.

Und nun kommt mit einer der wichtigsten Teile der Installation. Hier wird nämlich jetzt ausgewählt, wofür der Rechner eigentlich genutzt wird. Genau genommen ist hier eine Liste von Programmen, die ich auswählen kann, um z. B. einen Webserver, Mailserver, Dateiserver usw. zu betreiben. Daher werde ich in einer Liste angeben, was ich an-, oder abgewählt habe:

  • Debian desktop environment, Abgewählt. Wahrscheinlich grafische Benutzeroberfläche, brauche ich nicht.
  • Web Server, angewählt.
  • SQL Database, angewählt.
  • File Server, angewählt.
  • SSH Server, angewählt.

Nun, das dauert jetzt, bis er alles runtergeladen und installiert hat… Oh, so lange hat das gar nicht gedauert, weniger als 3 Minuten!

Bootloader installieren

Die SSD muss ja auch noch bootfähig gemacht werden. Das geht mit dem Bootloader GRUB. Zunächst sucht GRUB, ob noch andere Betriebsysteme installiert sind. In meinem Falle natürlich nicht. Also fragt es, ob es den Botloader in den Master Boot Record der ersten Platte schreiben darf. Da das meine SSD ist, sage ich mal „Ja“.

Abschluss der Installation

Nun tut das System noch was, ich denke, es schreibt noch Konfigurationen. Anschließend werde ich gefragt, ob die Systemuhr auf UTC eingestellt ist, oder auf Lokalzeit. Ich war eigentlich immer der Ansicht, die sei auf Lokalzeit eingestellt. Wie auch immer, standardmäßig gibt er UTC vor. OK, akzeptiere ich mal so. Wenn es falsch ist, kann man das evtl. später noch korrigieren.

Er will, dass ich den USB-Stick abziehe und Enter drücke. OK, mache ich das, er will neu starten. Nun noch mal schnell einloggen um zu sehen, ob alles geklappt hat. Ja, es geht!

Und jetzt?

Ja, jetzt drücke ich mal kurz den Power-Taster, um den Rechner abzuschalten. Danach bekommt mein Windows-Rechner erst mal seine Kabel zurück. Der Server verschwindet jetzt in eine Ecke, wo es nur Strom und Netzwerk gibt. Ab jetzt wird er von meinem Windows-Rechner ferngesteuert.

Und wie das geht, schreibe ich im nächsten Teil.